Abb. 1: Unsere Tiefenwasserbelüftungsanlage „OXY“ nach vier Wochen Dauerbetrieb.

Vor gut vier Wochen haben wir unsere Tiefenwasserbelüftungsanlage „OXY“ im Ziegeleiteich II in Betrieb genommen. Nach monatelanger Planung, dem Bau der Anlage in Eigenleistung und der erfolgreichen Wasserung Anfang Mai läuft die Anlage inzwischen im Dauerbetrieb.

Seitdem haben wir die Anlage auf ihre vorgesehene Betriebs-Eintauchtiefe gebracht und die ein oder andere Modifikation durchgeführt. So musste beispielsweise der Rohrbelüfter mit zusätzlichem Ballast versehen werden, um ein Auftreiben durch die Luft im System zu verhindern. Gleichzeitig begleiten wir das Projekt mit regelmäßigen Sauerstoffmessungen und Beobachtungen.

Auch wenn es für eine abschließende Bewertung noch deutlich zu früh ist, zeigen die bisherigen Ergebnisse bereits interessante Entwicklungen.

Ausgangslage

Die Untersuchungen der vergangenen Jahre hatten gezeigt, dass das Tiefenwasser des Ziegeleiteichs II während der Sommermonate nahezu vollständig sauerstofffrei wird. Bereits unterhalb von etwa zwei Metern Tiefe brachen die Sauerstoffwerte stark ein. In den tieferen Wasserschichten war während der Sommermonate nahezu kein Sauerstoff mehr vorhanden. Für Fische, Bodenlebewesen und viele natürliche Abbauprozesse bedeutet dies eine erhebliche Einschränkung.

Genau hier setzt die Tiefenwasserbelüftung an: Sauerstoff soll gezielt in die tiefen Wasserschichten eingebracht werden, ohne die natürliche Temperaturschichtung des Gewässers zu zerstören.

Abb. 2: Sauerstoffprofil aus der Gewässeruntersuchung aus dem Jahr 2023. Deutlich erkennbar ist die nahezu sauerstofffreie Tiefenzone

Die ersten Messungen

Bereits kurz nach der Inbetriebnahme konnten wir direkt an der Anlage deutliche Sauerstoffanreicherungen feststellen.

Abb. 3: Sauerstoffprofil vom 05.05.2026 gemessen im direkten Bereich der Anlage

Während am Ansaugpunkt zeitweise nahezu sauerstofffreies Tiefenwasser mit lediglich rund 0,05 mg/l Sauerstoff gemessen wurde, erreichte das Wasser nach dem Durchströmen der Anlage im sogenannten Downstream bereits Werte von über 4 mg/l.

Abb. 4: Lage der Messpunkte

Noch wichtiger ist jedoch die Frage, wie weit sich dieser Sauerstoff in das umgebende Tiefenwasser ausbreitet.

Unsere bisherigen Messungen zeigen, dass sich in der Umgebung der Anlage bereits ein Bereich mit deutlich erhöhten Sauerstoffkonzentrationen gebildet hat. In etwa zwölf Metern Entfernung wurden wiederholt Sauerstoffwerte zwischen rund 1 und 2 mg/l gemessen – Werte, die vor der Inbetriebnahme in diesen Tiefen nicht vorhanden waren.

Abb. 5: Sauerstoffprofil vom 29.05.2026 gemessen am 12m entfernten MP1A

Gleichzeitig zeigen die Messungen auch, dass die Sauerstoffverteilung im Gewässer keineswegs statisch ist. Wind, Temperaturverhältnisse, biologische Prozesse und Strömungen beeinflussen die Ausbreitung des Sauerstoffs erheblich. Dadurch können die gemessenen Werte von Tag zu Tag schwanken.

Die Messung vom 29.05. zeigt zudem erstmals einen Anstieg der Sauerstoffwerte am rund 50 Meter von der Anlage entfernten Messpunkt MP2. Ob sich dieser Trend bestätigt, werden die kommenden Messungen zeigen.

Abb. 6: Sauerstoffprofil vom 29.05.2026 gemessen am 50m entfernten MP2

Besonders bemerkenswert ist, dass die Sauerstoffanreicherung bereits nach wenigen Wochen Betriebszeit während einer Phase zunehmender Wassertemperaturen und steigender biologischer Sauerstoffzehrung nachweisbar ist. Unter diesen Bedingungen sinken die Sauerstoffwerte in unbehandelten Gewässern normalerweise weiter ab.

Aktueller Stand in Zahlen

  • Betriebsdauer: ca. 4 Wochen
  • aktuelle Luftleistung: 9,0 m3/h (Zwei-Kompressor-Betrieb)
  • aktuelle Stromaufnahme: ca. 430 Watt (Zwei-Kompressor-Betrieb)
  • Sauerstoff am Ansaugpunkt: 0,05 mg/l (19.05.2026)
  • Sauerstoff im Downstream: 4,41 mg/l (19.05.2026)
  • Sauerstoff in 12 m Entfernung: bis 1,8 mg/l (11.05.2026)
  • erste Hinweise auf eine Sauerstoffanreicherung auch in weiter entfernten Tiefenbereichen (am 24.05.2026 erstmals messbar)

Oxy’s Energiebilanz

Seit der Zuschaltung des zweiten Kompressors am 03.05. lief die Anlage nahezu ununterbrochen im Dauerbetrieb. Bis zum 30.05. wurden insgesamt 277 kWh elektrische Energie verbraucht.

Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Leistungsaufnahme von lediglich 427 Watt. Zum Vergleich:

  • ungefähr vier bis fünf klassische Glühlampen
  • etwa ein größerer Kühlschrank im Dauerbetrieb
  • rund 10,2 kWh pro Tag

Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass bereits mit vergleichsweise geringem Energieeinsatz eine deutliche Sauerstoffanreicherung im Umfeld der Anlage erreicht werden kann.

Sauerstoff hilft nicht nur den Fischen

Die bisherigen Messungen zeigen, dass die Anlage zunehmend Sauerstoff in Bereiche einträgt, die zuvor nahezu sauerstofffrei waren. Dies ist nicht nur für Fische und andere Wasserlebewesen von Bedeutung.

Bereits die Gewässeruntersuchungen der vergangenen Jahre zeigten, dass sich im sauerstofffreien Tiefenwasser des Ziegeleiteichs II erhöhte Konzentrationen von Phosphat und Ammonium anreichern. Im Jahr 2023 wurden in 7 m Tiefe Phosphatwerte von über 1 mg/l sowie Ammoniumwerte von knapp 2 mg/l gemessen. Gleichzeitig war dort praktisch kein Sauerstoff mehr vorhanden.

Fehlt Sauerstoff am Gewässergrund, können im Sediment gebundene Nährstoffe wieder ins Wasser freigesetzt werden. Limnologen sprechen hierbei von einer sogenannten internen Nährstoffbelastung oder Nährstoffrücklösung.

Diese Nährstoffe stehen später Algen und Wasserpflanzen erneut zur Verfügung und können die Eutrophierung des Gewässers weiter verstärken. Eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers kann diesen Prozess abschwächen, indem sie eine oxidierte Grenzschicht zwischen Sediment und Wasser aufrechterhält. Dadurch bleibt ein größerer Teil des Phosphors im Sediment gebunden.

Ob und in welchem Umfang sich dieser Effekt auch im Ziegeleiteich II nachweisen lässt, werden die kommenden Monate und Jahre zeigen. Die bisherigen Ergebnisse stimmen jedoch optimistisch.

Überraschende Beobachtungen

Neben den Messwerten gab es auch einige interessante Beobachtungen rund um die Anlage.

In den ersten Betriebstagen wurde am Entgasungskopf deutlich Schwefelwasserstoff freigesetzt. Der typische Geruch nach „faulen Eiern“ deutete darauf hin, dass im Tiefenwasser bereits ausgeprägte anaerobe Abbauprozesse stattfanden. Nach einigen Tagen ließ dieser Effekt spürbar nach.

Bemerkenswert war außerdem das Verhalten der Wasservögel. Während die Anlage unmittelbar nach der Inbetriebnahme zunächst gemieden wurde, hielten sich kurze Zeit später wieder Gänse und andere Wasservögel in unmittelbarer Nähe auf. Ob dies tatsächlich mit dem anfänglich ausgegasten Schwefelwasserstoff zusammenhängt, lässt sich zwar nicht sicher belegen, die Beobachtung ist jedoch interessant.

Was passiert jetzt?

Nach vier Wochen befinden wir uns weiterhin in einer frühen Phase des Projekts.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die über Jahre entstandene Sauerstoffschuld des Tiefenwassers und der Sedimente schrittweise abzubauen. Ein solcher Prozess benötigt Zeit. Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten zeigen, dass ökologische Verbesserungen häufig erst nach Monaten oder sogar mehreren Jahren vollständig sichtbar werden.

Dennoch deuten die bisherigen Messungen darauf hin, dass die Anlage genau das tut, was sie tun soll: Sauerstoff in das sauerstoffarme Tiefenwasser einbringen.

Das Monitoring geht weiter

Um die Entwicklung möglichst objektiv zu dokumentieren, führen wir die Sauerstoffmessungen an verschiedenen Messpunkten rund um die Anlage fort. Zusätzlich beobachten wir Veränderungen der Wasserqualität sowie mögliche Auswirkungen auf Flora und Fauna.

Die gesammelten Daten helfen uns nicht nur dabei, die Wirkung der Anlage zu bewerten, sondern auch den Betrieb weiter zu optimieren.

Wir werden an dieser Stelle regelmäßig über die Fortschritte berichten und die Entwicklung des Projekts transparent begleiten.

Die bisherigen Ergebnisse stimmen uns optimistisch, gleichzeitig bleibt das Projekt ein langfristiger Lern- und Entwicklungsprozess.

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